Türen und Fenster — Tausch und Einbau im Bestand
Beim Fenstertausch entscheidet weniger das Fenster über das Ergebnis als der Anschluss an die Wand. Ein gutes Fenster in einer schlecht abgedichteten Laibung ist schlechter als ein einfacheres, das richtig eingebaut wurde.
Und: Der Zeitpunkt zählt. Wer tauscht, bevor die Dämmung kommt, setzt das Fenster in die falsche Ebene.

Die richtige Reihenfolge
Fenster und Außendämmung gehören in denselben Bauabschnitt. Nach der Dämmung sitzt das Fenster zu weit innen — die Laibung wird tief, und die Wärmebrücke am Rahmen bleibt. Vor der Dämmung eingebaut, wird es später in die Dämmebene überdämmt.
Wer beides trennt, muss die Laibung zweimal öffnen und bezahlt das Gerüst zweimal.
Wenn nur die Fenster getauscht werden und eine Dämmung erst später kommt, setzen wir sie so, dass eine spätere Überdämmung möglich bleibt. Das kostet nichts extra und erspart später den doppelten Aufwand.
Nach dem Fenstertausch dichter. Das ist erwünscht und hat eine Folge: Feuchte, die vorher durch undichte Fugen abzog, bleibt im Raum. Lüftungsverhalten muss sich ändern, sonst zeigt sich Schimmel an den kältesten Stellen.
Der Anschluss — wo es undicht wird
Ein fachgerechter Fensteranschluss hat drei Ebenen, und alle drei sind unsichtbar:
Innen dichter als außen. Der Grundsatz jeder Anschlussfuge. Innen luftdicht, damit keine feuchte Raumluft in die Fuge zieht; außen schlagregendicht, aber dampfdurchlässig, damit Feuchte nach außen abtrocknen kann.
Dämmung in der Fuge. Nicht nur Bauschaum — er ist Dämmstoff, keine Abdichtung. Ohne Dichtbänder innen und außen erfüllt er seine Aufgabe nicht.
Befestigung. Im tragenden Mauerwerk, nicht in der Dämmung, mit Abständen nach Vorgabe.
Was hier gespart wird, sieht man drei Jahre später als Schimmelstreifen in der Laibungsecke.
Verglasung und Rahmen
Zweifach oder dreifach. Dreifachverglasung ist heute Standard. Im Altbau mit ungedämmten Wänden kann sie dazu führen, dass die Wand zur kältesten Stelle wird — dann verlagert sich das Kondensat dorthin. Das ist ein Argument dafür, Fenster und Dämmung zusammen zu machen, nicht gegen gute Fenster.
Kunststoff ist günstig und wartungsarm. Holz ist im Altbau oft die passendere Wahl und bei Denkmalen manchmal die einzig zulässige. Holz-Aluminium verbindet beides: Holz innen, wetterfeste Schale außen.
Beschläge. Der Punkt, an dem sich Preis und Haltbarkeit entscheiden. Einbruchhemmende Beschläge kosten beim Neubau wenig und lassen sich nachrüsten — mit deutlich mehr Aufwand.
Innentüren und Haustüren
Innentüren im Altbau brauchen fast immer Maßarbeit: Öffnungen haben selten Standardmaße, und Zargen müssen Verzug im Mauerwerk ausgleichen. Wo ein alter Stock erhalten bleiben soll, wird das Blatt darauf angepasst.
Haustüren sind ein Bauteil mit vier Anforderungen gleichzeitig: dicht, einbruchhemmend, wärmedämmend und schön. Der Schwachpunkt ist meist die Schwelle — eine barrierefreie Schwelle ist möglich, verlangt aber eine sorgfältige Abdichtung darunter.
Denkmalschutz. Historische Türen und Kastenfenster lassen sich meist aufarbeiten. Ein doppelt verglastes Kastenfenster erreicht Werte, die modernen Fenstern nahekommen — und bleibt das Original.
Rollläden, Raffstoren und Insektenschutz
Beim Fenstertausch ist der beste Zeitpunkt, auch darüber zu entscheiden — nachträglich wird jedes davon teurer.
Alte Rollladenkästen sind eine der größten Wärmebrücken im Altbau. Beim Fenstertausch lassen sie sich dämmen oder durch einen Aufsatzkasten ersetzen.
Raffstoren beschatten wirksamer als innenliegende Vorhänge, weil die Wärme gar nicht erst hereinkommt. Bei nach Süden und Westen ausgerichteten Räumen ist das inzwischen der wirksamste sommerliche Wärmeschutz.
Insektenschutz als Rahmen oder Rollo, passend zum Fenster bestellt statt später zugeschnitten.
Leitungen für Antriebe gehören in die Laibung, solange sie offen ist.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Fenstertausch?
Der Ausbau und Einbau eines Fensters dauert wenige Stunden, ein Einfamilienhaus mit zehn Fenstern ein bis drei Tage. Was länger dauert, ist die Lieferzeit — sie läuft ab Aufmaß, nicht ab Auftrag.
Muss ich nach dem Fenstertausch anders lüften?
Ja. Neue Fenster sind deutlich dichter. Wo vorher Feuchte durch Fugen abzog, muss jetzt gelüftet werden — mehrmals täglich kurz und quer. Sonst zeigt sich Schimmel an den kältesten Stellen.
Kann ich einzelne Fenster tauschen?
Ja. Sinnvoll ist es dort, wo ein Fenster defekt ist. Wenn alle dasselbe Alter haben, lohnt der Tausch zusammen — Gerüst und Anfahrt fallen dann einmal an.