Elektrotechnik im Bestand — Leitungen, Verteiler, Sicherheit
Die Elektroinstallation ist das Gewerk, das man am wenigsten sieht und bei dem eine Altlast am teuersten wird — nicht im Geld, sondern im Risiko.
In Häusern aus der Zeit vor 1975 trifft man regelmäßig auf Installationen ohne Schutzleiter, ohne Fehlerstromschutzschalter und mit Leitungsquerschnitten, die für die heutige Last zu klein sind.

Woran man eine alte Installation erkennt
- Zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter. An den Steckdosen sichtbar: Sie haben keinen Schutzkontakt oder nur zwei angeschlossene Adern.
- Kein Fehlerstromschutzschalter im Verteiler. Schraubsicherungen statt Automaten sind ein zusätzlicher Hinweis auf das Alter.
- Stoffummantelte Leitungen. In Häusern vor 1960 verbreitet. Die Ummantelung wird spröde und bröselt beim Anfassen.
- Aluminiumleitungen. In den 1970er Jahren verbaut. Sie neigen an Klemmstellen zum Kriechen — die Verbindung lockert sich über Jahre und wird warm.
- Zu wenig Stromkreise. Wenn beim Einschalten des Wasserkochers das Licht flackert, teilen sich zu viele Verbraucher einen Kreis.
Einen genauen Befund gibt es nur mit geöffnetem Verteiler und Messgerät. Das machen wir bei der Besichtigung.
Was wir ausführen
Verteiler erneuern. Der wirksamste Einzelschritt: neue Automaten, Fehlerstromschutzschalter, Überspannungsschutz, saubere Beschriftung. Oft an einem Tag machbar, ohne dass Wände aufgestemmt werden.
Leitungen erneuern. Im Zuge einer Sanierung, wenn die Wände ohnehin offen sind. Unterputz neu zu ziehen, ohne zu sanieren, bedeutet Schlitze in jeder Wand — dann ist eine Sanierung meist der günstigere Weg.
Stromkreise aufteilen. Küche, Bad, Arbeitszimmer und Außensteckdosen bekommen eigene Kreise. Das ist weniger eine Frage des Komforts als der Sicherheit.
Anschlüsse für Wärmepumpe, Wallbox und Speicher. Sie brauchen eigene Zuleitungen mit ausreichendem Querschnitt und sind beim Netzbetreiber anzumelden.
Beleuchtung und Schaltungen. Von der einzelnen Steckdose bis zur durchgeplanten Lichtführung im sanierten Raum.
Was im bewohnten Haus geht
Die Erneuerung des Verteilers geht meist an einem Tag, mit wenigen Stunden ohne Strom. Das lässt sich planen.
Eine vollständige Neuinstallation im bewohnten Haus ist dagegen aufwendig: Jede Wand muss aufgeschlitzt, verputzt und gestrichen werden. In diesem Fall lohnt fast immer die Kombination mit anderen Arbeiten — wer ohnehin ein Bad saniert oder Wände versetzt, bekommt die Leitungen fast nebenbei mit.
Dazwischen liegt der Aufputzweg: In Kellern, Dachräumen und Nebengebäuden ist er zulässig, schnell und deutlich günstiger.
Wallbox, Photovoltaik und was dazugehört
Wer ein Elektroauto lädt oder eine Wärmepumpe einbaut, ändert das Lastprofil des Hauses erheblich. Drei Punkte gehören vorher geklärt:
Reicht der Hausanschluss? Ältere Anschlüsse sind auf eine Last ausgelegt, die Wallbox und Wärmepumpe zusammen überschreiten. Eine Verstärkung beantragt der Netzbetreiber, und das dauert.
Ist der Zählerplatz normgerecht? Für neue Anlagen verlangen Netzbetreiber einen Zählerschrank nach aktueller Norm. Alte Zählerplätze müssen dafür oft komplett getauscht werden — das ist die Position, die Angebote unerwartet teuer macht.
Wo liegt der Weg für die Zuleitung? Von der Verteilung bis zur Garage können das zwanzig Meter oder eine Grabung über den Hof sein.
Das sehen wir uns gemeinsam an, bevor wir eine Aussage treffen.
Warum eine alte Installation gefährlich ist
Der Unterschied zwischen alt und unsicher ist nicht das Alter der Leitung, sondern das Fehlen von zwei Bauteilen.
Der Schutzleiter führt einen Fehlerstrom ab, statt ihn über eine Person laufen zu lassen. Ohne ihn steht ein defektes Gerät unter Spannung, und niemand merkt es, bis jemand es anfasst.
Der Fehlerstromschutzschalter trennt bei wenigen Milliampere — schnell genug, dass ein Stromschlag folgenlos bleibt. Eine normale Sicherung tut das nicht: Sie schützt die Leitung vor Überhitzung, nicht den Menschen.
Für Neuinstallationen ist er seit Langem vorgeschrieben, im Bestand gilt Bestandsschutz. Das heißt: Es ist erlaubt, es weiter zu betreiben — sicher ist es deshalb nicht. Spätestens bei jeder Sanierung sollte beides nachgerüstet werden.
Nachrüsten geht oft ohne Eingriff in die Wände: Ein Fehlerstromschutzschalter sitzt im Verteiler.
Häufige Fragen
Führen Sie Elektroarbeiten selbst aus?
Für die Elektroinstallation arbeiten wir mit festen Partnerbetrieben zusammen. Die Koordination und die Gewährleistung bleiben bei uns — Sie haben einen Vertragspartner, nicht zwei.
Brauche ich einen Elektrocheck vor dem Kauf eines Hauses?
Er lohnt fast immer. Eine Installation ohne Schutzleiter ist ein Kostenfaktor, der sich vor dem Kauf beziffern lässt und danach zur Überraschung wird. Wir schauen uns das im Rahmen der Besichtigung mit an.
Was kostet eine neue Verteilung?
Das hängt an der Zahl der Stromkreise, am Zustand des Zählerplatzes und daran, ob der Netzbetreiber Anpassungen verlangt. Eine belastbare Zahl gibt es nach dem Öffnen des Verteilers — nicht am Telefon.