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Fassadenbau — Putz, Anstrich und vorgehängte Systeme

Die Fassade ist das Bauteil, das am meisten aushält: Sonne, Frost, Schlagregen, im Fünfseenland dazu deutlich mehr Niederschlag als im Münchner Becken.

Wo sie versagt, liegt es fast nie an der Fläche, sondern an den Anschlüssen — Sockel, Fensterlaibungen, Übergang zum Dach.

Fertige Fassade mit Blechverkleidung

Die drei Systeme

Putzfassade auf massivem Mauerwerk. Der klassische Aufbau: Unterputz, Oberputz, Anstrich. Diffusionsoffen, reparabel, langlebig. Bei historischem Mauerwerk gehört Kalkputz dazu — ein dichter Zementputz sperrt Feuchte ein, und die sucht sich dann einen Weg nach innen.

Wärmedämmverbundsystem. Dämmplatten aufgeklebt und gedübelt, darauf Armierung und Putz. Der häufigste und günstigste Weg zur Dämmung. Er trägt 12 bis 20 Zentimeter auf — das betrifft Fensterlaibungen, Dachüberstand und den Grenzabstand.

Vorgehängte hinterlüftete Fassade. Unterkonstruktion, Dämmung, Luftschicht, Bekleidung. Teurer, aber die richtige Wahl bei Sichtmauerwerk, stark belasteten Wetterseiten und überall dort, wo die Wand nach außen abtrocknen soll.

Wo Fassaden tatsächlich kaputtgehen

Sockel. Spritzwasser, Schnee, aufsteigende Feuchte. Der Sockel braucht einen widerstandsfähigen Putz und eine Abdichtung unter Gelände. Die meisten Fassadenschäden beginnen unten.

Fensterlaibungen. Der Anschluss zwischen Fenster und Wand ist die häufigste Schwachstelle bei gedämmten Fassaden. Ohne Dichtband und Anschlussprofil reißt die Fuge auf, und Wasser läuft hinter die Dämmung.

Fensterbänke. Sie brauchen Gefälle, seitliche Aufkantung und eine Wassernase. Fehlt die Nase, läuft Wasser an der Fassade herunter — der häufigste optische Mangel an sonst guten Fassaden.

Übergang zum Dach. Der Punkt, an dem sich die Qualität einer Sanierung entscheidet. Bleibt die Dachschräge ungedämmt, während die Wand gedämmt wird, entsteht dort eine kalte Stelle — und dort schlägt sich Feuchte nieder.

Algen und Verfärbungen

Grüner Belag auf der Nordseite ist im Fünfseenland normal und kein Baumangel. Er entsteht, weil gedämmte Fassaden außen kälter bleiben und Tauwasser länger stehen bleibt.

Was hilft dauerhaft: Dachüberstand, der die Wand vor Schlagregen schützt. Ein Vordach über der Haustür. Abstand zu Bewuchs — Sträucher direkt an der Wand halten Feuchtigkeit.

Was begrenzt hilft: Anstriche mit Algiziden. Sie wirken einige Jahre, dann wäscht sich der Wirkstoff aus. Silikatputze mit hohem pH-Wert bleiben länger sauber.

Was nicht hilft: Hochdruckreiniger. Er öffnet die Putzoberfläche, und im Folgejahr wächst der Belag schneller nach.

Was vorab geklärt wird

  • Grenzabstand. Eine Außendämmung trägt auf. Steht das Haus nah an der Grenze, ist das eine rechtliche Frage — in Bayern gibt es dafür eine Regelung, ob sie greift, prüft die Bauaufsicht.
  • Ortsgestaltung und Denkmalschutz. In den Ortskernen von Tutzing, Bernried und Seeshaupt sind Farbe und Material oft vorgegeben. Bei Denkmalen bleibt meist nur Innendämmung.
  • Dachüberstand. Nach einer Dämmung reicht er unter Umständen nicht mehr aus. Dann muss er verlängert werden — das gehört ins Angebot, nicht in die Nachbesserung.
  • Feuchte im Mauerwerk. Eine feuchte Wand wird durch Dämmung nicht trocken, sondern schlechter.

Anstrich und Putzarten

Mineralischer Putz — Kalk oder Silikat. Diffusionsoffen, langlebig, unempfindlich gegen Algen. Der richtige Aufbau auf historischem und massivem Mauerwerk.

Kunstharzputz ist elastisch und rissüberbrückend, dafür dichter. Auf Wärmedämmverbundsystemen verbreitet, weil er Bewegungen aufnimmt.

Silikonharzputz liegt dazwischen: wasserabweisend und trotzdem dampfdurchlässig. Der heutige Standard für die meisten Neuputze.

Die Körnung bestimmt das Erscheinungsbild stärker als die Farbe. Eine feine Körnung wirkt glatt und zeigt jede Unebenheit, eine grobe verzeiht mehr und wirkt lebendiger.

Farbton. Dunkle Fassaden heizen sich stark auf — auf Wärmedämmverbundsystemen ist das ein technisches Problem, weil die Spannungen im Putz steigen. Hersteller geben dafür Hellbezugswerte vor, die eingehalten werden müssen.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein Fassadenanstrich?

Auf einer intakten Putzfassade 12 bis 20 Jahre, auf der Wetterseite kürzer. Ein Anstrich, der nach fünf Jahren abblättert, hatte fast immer ein Untergrundproblem, kein Farbproblem.

Kann man im Winter putzen?

Nur bei Temperaturen über fünf Grad und ohne Frostgefahr in den folgenden Nächten. Im Fünfseenland heißt das praktisch: April bis Oktober. Wer im Winter putzt, riskiert Frostschäden im frischen Putz.

Muss ein Gerüst stehen?

Ab dem ersten Obergeschoss ja. Deshalb lohnt es sich, Dach, Fassade und Fenster in einem Bauabschnitt zu machen — das Gerüst steht dann einmal statt zwei- oder dreimal.

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