Dachgeschoss ausbauen — vom Speicher zum Wohnraum
Der Dachausbau ist die günstigste Art, Wohnfläche zu gewinnen — die Hülle steht bereits, es kommt nur Innenausbau dazu.
Ob es geht, entscheidet sich an vier Punkten. Die klären wir bei der Besichtigung, bevor irgendetwas geplant wird. Ausführlich steht das im Ratgeber zum Dachausbau.

Was wir vor Ort prüfen
- Höhe und Kniestock. Für Aufenthaltsräume gilt eine Mindesthöhe über einem Teil der Fläche. Bei flacher Neigung und niedrigem Kniestock wird das knapp.
- Tragfähigkeit der Decke. Ein Speicher ist für geringere Nutzlast ausgelegt als ein Wohnraum.
- Zustand des Dachstuhls. Fußpunkte an der Traufe, Auflager im Mauerwerk, Holzschädlinge.
- Zweiter Rettungsweg. Der Punkt, der Dachausbauten häufiger zu Fall bringt als die Statik.
Wir steigen dafür in den Dachraum. Aus Fotos lässt sich das nicht beurteilen, und aus alten Plänen erst recht nicht.
Die Gewerke in ihrer Reihenfolge
- Zimmerer — Auswechslungen für Fenster und Gauben, Ertüchtigung der Kehlbalkenlage, Unterkonstruktion.
- Dachdecker und Spengler, falls die Eindeckung geöffnet wird — bei Aufsparrendämmung immer.
- Dämmung und luftdichte Ebene. Der Schritt, an dem Dachausbauten scheitern, wenn er nachlässig ausgeführt wird.
- Elektro und Sanitär — Leitungen kommen von unten und müssen durch bestehende Räume.
- Estrich — der Taktgeber. Seine Trocknungszeit lässt sich nicht verhandeln.
- Trockenbau, Boden, Maler.
Wo der Aufwand entsteht
Kniestock erhöhen. Möglich, bedeutet aber das Dach abzunehmen. Dann ist es kein Ausbau mehr, sondern ein Umbau mit Genehmigung — andere Größenordnung.
Gauben. Sie schaffen Kopfhöhe und Licht und sind fast immer genehmigungspflichtig. In Gebieten mit Gestaltungssatzung sind Form und Größe vorgegeben.
Treppe. Führt bisher nur eine Leiter hinauf, kommt eine Treppe dazu — mit Öffnung in der Decke und Auswechslung. Das Steigungsverhältnis ist vorgeschrieben und im Bestand oft grenzwertig.
Bad im Dachgeschoss. Braucht Entlüftung, Abwasserführung mit Gefälle und ausreichende Aufbauhöhe. Machbar, aber selten nebenbei.
Wohnen während des Ausbaus
Der Ausbau findet über Ihnen statt — das klingt nach wenig Störung und ist es nicht.
Der Zugang läuft durchs Haus: Material, Schutt und Leute nehmen denselben Weg wie Sie. Abgedeckte Wege und eine Staubschutzwand am Treppenaufgang sind deshalb Pflicht.
Beim Ausrichten der Unterkonstruktion und beim Estrich wird es im Geschoss darunter hörbar. Wir sagen vorab, an welchen Tagen.
Wer die Möglichkeit hat, macht den Ausbau vor dem Einzug. Diese Zeit ist später kaum nachzuholen.
Die Dämmung — der Punkt, an dem es schiefgeht
Nicht am Dämmstoff, sondern an der luftdichten Ebene auf der Raumseite.
Fehlt die durchgehende Luftdichtung, zieht feuchte Raumluft in die Dämmung und schlägt sich dort nieder — nicht in der ersten Saison, sondern über Jahre. Bis es auffällt, sitzt der Schaden hinter der fertigen Verkleidung.
Was dazugehört: Anschlüsse ans Mauerwerk verkleben, Durchdringungen mit Manschetten, Überlappungen der Bahnen verkleben statt nur legen. Jede Steckdose in der Dachschräge ist eine Durchdringung.
Zwischensparrendämmung ist der Regelfall, wenn das Dach dicht bleibt. Die Sparren selbst bleiben dabei als Wärmebrücke — eine Untersparrendämmung deckt sie ab und schafft zugleich Platz für Leitungen, ohne die Dampfbremse zu durchstoßen.
Licht ins Dachgeschoss
Dachflächenfenster bringen bei gleicher Fläche deutlich mehr Licht als senkrechte Fenster. Sie brauchen eine Auswechslung im Sparren und im Sommer eine äußere Beschattung — innenliegende Rollos halten die Wärme nicht ab, sie ist dann schon im Raum.
Gauben schaffen zusätzlich Kopfhöhe und nutzbare Fläche. Sie sind aufwendiger und fast immer genehmigungspflichtig.
Giebelfenster sind am günstigsten, wo ein Giebel vorhanden ist — keine Auswechslung, keine Beschattungsfrage.
Für den zweiten Rettungsweg zählen Mindestmaße und Brüstungshöhe. Welches Fenster das erfüllt, klären wir vor der Planung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Dachausbau?
Bei 40 bis 60 Quadratmetern zwei bis vier Monate, im bewohnten Haus länger. Was die Zeit bestimmt, sind Estrich und Trocknung, nicht die Handwerkerstunden.
Brauche ich eine Genehmigung?
Ein reiner Innenausbau ohne Änderung der Dachfläche ist häufig verfahrensfrei. Sobald Gauben oder größere Dachfenster dazukommen, wird es genehmigungspflichtig. Wir fragen vorab beim Bauamt nach.
Kann ich nur dämmen und später ausbauen?
Ja. Wichtig ist, dass die Dämmung von vornherein für Wohnnutzung ausgelegt wird — die luftdichte Ebene nachträglich einzuziehen bedeutet, die fertige Verkleidung wieder abzunehmen.