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Maurerarbeiten im Bestand — Durchbrüche, Stürze, Ausmauerungen

Die häufigste Maurerarbeit im Bestand ist der Durchbruch: Zwei kleine Räume sollen einer werden, die Küche zum Wohnraum hin geöffnet, eine Tür versetzt.

Die Frage davor lautet immer gleich — trägt die Wand? Sie lässt sich von außen nicht sicher beantworten, und ein Foto hilft dabei gar nicht. Wir prüfen es vor Ort und holen bei Bedarf einen Statiker dazu.

Maurer setzt eine Ziegelwand

Wann eine Wand trägt

Vier Anhaltspunkte helfen bei der ersten Einschätzung. Sie ersetzen keine Prüfung, aber sie sagen, wie aufwendig es wird.

  • Dicke. Unter elf Zentimetern ist eine Wand meist nicht tragend. Darüber ist alles möglich.
  • Lage im Grundriss. Wände, die über mehrere Geschosse übereinanderstehen, tragen fast immer. Wände, die nur in einem Stockwerk vorkommen, meist nicht.
  • Richtung der Decke. Holzbalkendecken liegen auf zwei gegenüberliegenden Wänden auf — die anderen beiden tragen nichts. Woher die Balken kommen, sieht man oft an der Diele oder im Dachraum.
  • Material. Leichte Hohlblocksteine und Gipswände tragen nicht. Vollziegel und Beton schon.

Im Altbau stimmen Bauakten häufig nicht mit dem überein, was tatsächlich gebaut wurde. Deshalb gilt bei uns: Bei Zweifeln wird geprüft, nicht geschätzt.

Wie ein Durchbruch abläuft

  1. Prüfen und rechnen. Ist die Wand tragend, bestimmt der Statiker den Sturz: Stahlträger oder Betonfertigteil, Länge, Auflagertiefe.
  2. Abstützen. Vor dem ersten Schlag wird die Decke über der Wand abgefangen. Das ist der Arbeitsschritt, den man auf Bildern nie sieht und ohne den nichts geht.
  3. Schlitz für den Sturz. Erst eine Seite, Träger einlegen, vermörteln, aushärten lassen. Dann die andere. Nie beide gleichzeitig.
  4. Öffnung ausbrechen. Erst wenn der Sturz trägt.
  5. Laibungen und Anschlüsse. Putzträger, Eckschutz, Anschluss an den Bestandsputz.

Bei einem Durchbruch von zwei bis drei Metern dauert das mit Aushärtezeiten etwa eine Woche. Wer schneller arbeitet, hat einen Schritt weggelassen.

Was sonst noch anfällt

Ausmauerungen. Alte Türöffnungen schließen, Fensteröffnungen verkleinern. Wichtig ist die Verzahnung mit dem Bestand — eine glatt eingesetzte Wand reißt an der Fuge, und der Riss kommt im ersten Winter.

Sockel und Kellerwände. Im Bestand oft mit aufsteigender Feuchte verbunden. Ob eine Sanierung von innen genügt oder aufgegraben werden muss, entscheidet die Ursache — nicht das Budget.

Ringanker und Auswechslungen bei Dachausbauten, wenn Gauben eingesetzt oder Sparren unterbrochen werden.

Estrich und Ausgleich. Gehört formal nicht zum Maurerhandwerk, kommt aber im selben Zug — und der Estrich ist der Taktgeber für alles Folgende.

Staub und Bewohnbarkeit

Maurerarbeiten im bewohnten Haus sind machbar, aber sie sind die staubigste Arbeit auf der Baustelle. Wir arbeiten mit Staubschutzwänden mit Reißverschluss, Absaugung am Gerät und abgedeckten Wegen. Die Baustelle wird abends besenrein hinterlassen.

Was sich nicht vermeiden lässt: Lärm. Ein Durchbruch bedeutet ein bis zwei Tage Kernbohrung oder Stemmen. Wir stimmen den Termin ab, damit er nicht mitten in die Woche fällt, in der jemand von zu Hause arbeitet.

Was im Bestand des Fünfseenlands typisch ist

Der Gebäudebestand rund um den Starnberger See stammt überwiegend aus drei Bauphasen, und jede bringt eigene Eigenheiten mit.

Vor 1950. Vollziegel oder Bruchstein, dicke Wände, keine Horizontalsperre. Durchbrüche sind statisch meist unproblematisch, weil massiv gebaut wurde — dafür ist der Mörtel weich, und beim Ausbrechen fällt mehr heraus als geplant.

1950 bis 1975. Die Zeit der dünnen tragenden Wände. Hier liegt die häufigste Überraschung: Eine Wand mit zwölf Zentimetern sieht nach Trennwand aus und trägt trotzdem.

Ab 1975. Leichthochlochziegel und Porenbeton. Statisch gut dokumentiert, aber weniger tragfähig als ihr Aussehen vermuten lässt — Dübel für schwere Lasten brauchen hier Spezialbefestigung.

Welcher Fall bei Ihnen vorliegt, sieht man an einer Kernbohrung oder an einer geöffneten Steckdose. Das machen wir bei der Besichtigung.

Was wir vorab klären

  • Leitungen in der Wand. Strom, Wasser, Heizung — vor jedem Schlitz mit dem Ortungsgerät geprüft.
  • Zugang für Material und Schutt. Bei einem Durchbruch fallen mehrere hundert Kilo an. Ob ein Container vor der Tür stehen kann, macht im Preis den größten Unterschied.
  • Alte Baustoffe. In Bodenklebern und alten Dämmungen kann Asbest stecken. Ein Verdacht wird geprüft, bevor gearbeitet wird — nicht danach.
  • Denkmal- oder Ensembleschutz. In den Ortskernen von Tutzing, Bernried und Seeshaupt betrifft das auch Eingriffe, die man für rein innerlich hält.

Häufige Fragen

Brauche ich für einen Durchbruch eine Genehmigung?

In der Regel nicht, solange nur im Inneren gearbeitet wird und die Standsicherheit nachgewiesen ist. Sobald die Außenwand betroffen ist oder sich die Fassade ändert, wird es genehmigungspflichtig. Bei Denkmalen gilt das immer. Wir klären das vor dem Angebot.

Was kostet der Statiker?

Er rechnet eigenständig ab, nicht über uns. Für einen einzelnen Durchbruch liegt der Aufwand im überschaubaren Bereich — verglichen mit den Folgen einer falschen Einschätzung ist es die günstigste Position im ganzen Projekt.

Kann eine tragende Wand komplett weg?

Ja, mit entsprechendem Unterzug. Der Aufwand steigt allerdings deutlich: längere Spannweite, größerer Träger, aufwendigere Auflager. Manchmal ist ein breiter Durchbruch mit stehenbleibendem Wandstück die bessere Lösung — optisch wie im Preis.

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